Informationen zu frühkindlichen Reflexen und warum es sie eigentlich gibt.
Was sind Reflexe?
Die Reflexintegrations-Forscherin Sally Goddard-Blythe bringt die Definition eines Reizes auf den Punkt: „Ein Reflex ist eine unwillkürliche Reaktion auf einen Reiz und den gesamten physiologischen Prozess, der ihn aktiviert.“
Das gilt nicht nur für Reflexe allgemein, sondern insbesondere für die frühkindlichen Reflexe. Auch sie sind automatisierte Bewegungsabläufe, die nicht bewusst gesteuert werden können. Sie laufen dementsprechend ohne die Beteiligung des Cortex, also der Großhirnrinde, ab.
Im kostenlosen telefonischen Erstgespräch lernen wir uns kennen, damit ich einen Eindruck von eurer Situation und euren Bedürfnissen bekomme. Für meinen ganzheitlichen Ansatz ist die Sicht von euch Eltern ein guter Ausgangspunkt.
Im intensiven Gespräch mit dir und deinem Kind, mache ich mir ein Bild davon wo es hakt. Je nach euren Bedürfnissen und Wünschen empfehle ich dir ein Coaching Paket oder eine Einzelsitzung.
Warum gibt es Reflexe?
In erster Linie sichern frühkindliche Reflexe das Überleben von Säuglingen, die ihre Bewegungen noch nicht willentlich steuern und beeinflussen können. So können Säuglinge automatisch die Nahrung schlucken, die das Innere ihres Mundes berührt oder den Kopf in die Richtung der Wange drehen, die wir streicheln. Vielleicht hast du auch schon einmal gesehen, dass Säuglinge ihre Hände schließen, wenn sie an der Handinnenfläche berührt werden.
Dass die frühkindlichen Reflexe aktiv sind, erkennt man häufig daran, dass alle Säuglinge die gleichen Bewegungsmuster haben. Insbesondere für die Nahrungssuche, die Nahrungsaufnahme und den Selbstschutz sind frühkindliche Reflexe essentiell. Später entwickeln sich mithilfe der frühkindlichen Reflexe auch weitere Fähigkeiten, wie das Gehör mit dem Gleichgewichtssinn, Koordination, Motorik, visuelle Wahrnehmung und die Sprache.

Die wichtigsten frühkindlichen Reflexe
Moro Reflex (Schreckreflex)
Der Moro Reflex tritt auf, wenn der Kopf des Säuglings kurz zurückfällt. Der Reflex führt zu einem ruckartigen Strecken der Arme und zum Öffnen des Mundes, außerdem werden die Finger gespreizt. Im Anschluss wird die Bewegung der Arme und Hände rückgängig gemacht und endet in einer Faust.
Wird der Moro Reflex nicht integriert, kann sich das auf das sozial-emotionale Verhalten des Kindes auswirken. Übersensibilität, Wutausbrüche, schnelles Weinen, stark kindliches Verhalten und später auch ängstliche Verhaltensmuster, geringes Selbstbewusstsein und mangelnde Kritikfähigkeit prägen die möglichen Auswirkungen.
ATNR – Asymmetrisch Tonischer Nackenreflex
Der Asymmetrisch Tonische Nackenreflex (ATNR) entsteht, wenn der Kopf von Säuglingen zur Seite gedreht wird. Säuglinge reagieren durch eine Streckung der Gliedmaßen in Blickrichtung und eine Beugung der Gliedmaßen auf der Gegenseite.
Ein restaktiver Asymmetrisch Tonischer Nackenreflex kann das Lese- und Schreibvermögen beeinflussen. So fällt beispielsweise das Einhalten von Schreiblinien schwer und die Schrift kann nach links oder rechts kippen. Zusätzlich kann zu viel Druck beim Schreiben entstehen. Lesen und Rechtschreibung können eine zusätzliche Herausforderung sein.
STNR – Symmetrisch Tonischer Nackenreflex
Beim Symmetrisch Tonischen Nackenreflex (STNR) beugen sich die Arme und strecken sich die Beine von Säuglingen symmetrisch, wenn der Kopf zur Brust gebeugt wird.
Ist dieser Reflex restaktiv, haben betroffene Kinder Schwierigkeiten von der Tafel abzuschreiben, drücken den Stift zu stark auf oder verkrampfen Hände und Arme beim Schreiben, da die Hand-Auge-Koordination gestört ist. Auch unsauberes Essen oder das Schlingen der Beine um die Stuhlbeine beim Sitzen sind Hinweise auf einen restaktiven Reflex. Oftmals schwimmen diese Kinder zunächst besser unter als über Wasser.
TLR – Tonischer Labyrinth Reflex
Der Tonische Labyrinth Reflex (TLR) wird durch eine Neigung des Nackens nach vorne oder nach hinten ausgelöst. Durch die Kopfbewegung kommt es zu einer Ganzkörperbewegung, die an die fötale Beugehaltung erinnert.
Der Tonische-Labyrinth-Reflex (TLR) prägt die Entwicklung von Körperhaltung, Gleichgewicht und räumlicher, zeitlicher und visueller Orientierung maßgeblich. Kinder mit einem restaktiven TLR können eine schlaffe oder extrem starke Muskelspannung haben, eine schlechte Balance und Koordination, kein gutes Zeitgefühl, Organisationsprobleme und Herausforderungen beim Erkennen grammatikalischer Strukturen.
Welche Reflexe gibt es noch?
Greifreflex
Wenn man die Handflächen eines Säuglings berührt, werden seine Finger automatisch geschlossen, um einen Greifreflex auszulösen. Dieser Reflex tritt normalerweise in den ersten Lebenswochen auf und verschwindet im Alter von etwa 3-4 Monaten.
Such- und Saugreflex
Wenn man die Wange eines Säuglings berührt, dreht er seinen Kopf in die gleiche Richtung und öffnet den Mund, als ob er nach der Brust oder einem Sauger sucht. Der Such- und Saugreflex ist von Geburt an vorhanden und verschwindet normalerweise im Laufe der ersten 4-6 Monate.
Saug-Schluckreflex: Der Schluckreflex ermöglicht es Säuglingen, Milch oder Nahrung zu schlucken, ohne zu ersticken. Dieser Reflex ist von Geburt an vorhanden und bleibt lebenslang erhalten.
Schwimmreflex
Der Schwimmreflex ist ein frühkindlicher Reflex, bei dem Säuglinge im Wasser automatisch paddelnde Bewegungen mit ihren Armen und Beinen ausführen. Dieser Reflex tritt auf, wenn das Gesicht des Säuglings mit Wasser in Berührung kommt und dient dazu, das Kind an der Wasseroberfläche zu halten und die Atmung zu schützen. Der Schwimmreflex verschwindet im Laufe des ersten Lebensjahres und wird normalerweise durch bewusste Schwimmtechniken ersetzt, wenn das Kind älter wird.
Atemschutzreflex
Der Atemschutzreflex ist ein instinktiver Reflex, der auftritt, wenn ein Säugling sein Gesicht oder seinen Kopf unter Wasser taucht. In Reaktion auf das Eintauchen wird der Reflex ausgelöst, der Säugling hält automatisch den Atem an und schließt den Kehlkopf, um das Eindringen von Wasser in die Atemwege zu verhindern. Dieser Reflex verschwindet im Laufe des ersten Lebensjahres und ermöglicht es dem Kind, kontrollierter mit Wasser umzugehen und das Schwimmen zu erlernen.
Schreitreflex
Wenn man ein gestütztes Baby in aufrechter Position hält und seine Füße eine harte Oberfläche berühren, macht das Baby Bewegungen, als ob es schreiten würde. Dieser Reflex tritt normalerweise ab der Geburt auf und verschwindet im Alter von 2-4 Monaten.
Steigreflex
Der Steigreflex ist ein frühkindlicher Reflex, bei dem ein Säugling automatisch versucht, seine Beine anzuwinkeln und aufzustehen, wenn er aufrecht gehalten wird und seine Füße eine feste Unterlage berühren. Dieser Reflex ist Teil der frühkindlichen Entwicklungsmechanismen und verschwindet normalerweise im ersten Lebensjahr, wenn das Kind bewusstere Bewegungen erlernt.
Spinaler Galant Reflex
Wenn die Haut entlang der Wirbelsäule eines Säuglings gestreichelt wird, neigt er seinen Oberkörper zur Seite, auf der die Haut berührt wird. Dieser Reflex wird aus dem Amphibienreflex entwickelt und ist von Geburt an vorhanden.
Babinski Reflex
Wenn die Fußsohle eines Säuglings gestreichelt wird, spreizt er die Zehen und biegt den großen Zeh nach oben. Dieser Reflex tritt normalerweise in den ersten Lebensmonaten auf und verschwindet im Alter von 9-12 Monaten.
Vestibulookulärer Reflex
Der vestibulookuläre Reflex (VOR) ist ein automatischer Augenbewegungsreflex, der dazu dient, das Gleichgewicht und die Stabilität der Blickrichtung aufrechtzuerhalten, wenn der Kopf bewegt wird. Wenn der Kopf in eine Richtung gedreht wird, bewegen sich die Augen in die entgegengesetzte Richtung, um das Bild auf der Netzhaut stabil zu halten. Dieser Reflex hilft dabei, dass unsere Sicht während Kopfbewegungen stabil bleibt, was besonders wichtig ist, um die Umgebung klar wahrzunehmen und das Gleichgewicht zu halten. Der Vestibulookuläre Reflex ist ein grundlegender Reflex des visuellen Systems und trägt zur räumlichen Orientierung bei.
Babkin Reflex
Wenn man sanft auf die Handflächen eines Säuglings drückt, öffnet das Baby seinen Mund und neigt seinen Kopf zur Seite. Dieser Reflex tritt normalerweise in den ersten Lebenswochen auf und verschwindet im Alter von etwa 3-4 Monaten. Dieser Reflex ist die Grundlage, um den ATNR entwickeln zu können.

